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Liebe Segelfreunde,

2017 habe ich mir den Traum eines jeden Seglers verwirklicht:  Eine Atlantiküberquerung!


Davon berichte ich hier:

Ich hatte lange nach einer Möglichkeit gesucht, auf einem Charterschiff den Atlantik zu überqueren. Ende 2016 bekam ich endlich ein Angebot von der spanischen Firma Alboran, die Charterbasen auf Mallorca, Teneriffa und Kuba hat. Ich sollte ein Schiff von Teneriffa bis Kuba überführen. Zunächst war ich gar nicht so begeistert, da man ja normalerweise nur bis in die Ost-Karibik zu den Kleinen Antillen segelt. Nun sollte ich das Schiff noch fast 1000 Seemeilen weiter bis nach Kuba überführen. Ich machte aus der Not eine Tugend und arbeitete eine spannende Route aus entlang der Großen Antillen, d.h. immer dicht entlang der Küsten von Puerto Rico, Dominikanische Republik, Haiti, Jamaika und Kuba.

Das Schiff:

Wir segelten mit einem Katamaran Typ "Bahia 46" von der französischen Werft Fountain Pajot. 

 

 

 

                             

 

      

Doppelkabine

 

Bad und Mittelgang

 

Seitenkoje

 

Alle unsere Freunde dachten besorgt vor allem an Stürme und hohe Wellen. Doch tatsächlich war das größte Problem die häufigen Flaute-Phasen. Fast die gesamte Zeit hatten wir zu wenig Wind! Das schwierigste an der gesamten Atlantik-Überquerung war, von den Kanaren erst mal weg zu kommen. Ich unterschätzte den Einfluss der Düsen (Windkanäle) zwischen den hohen Inseln. Dort blies der Wind gegenüber dem allgemein vorherrschenden fast doppelt so stark und die Wellen waren mehrere Meter hoch. Und so passierte dann auch sogleich am Anfang das Malheur: Aus dem Windschatten von Teneriffa kommend fielen in der Düse zu Gomera starke Böen ein und das betagte Großsegel riss. So mussten wir wieder zum Ausgangshafen zurückkehren und verloren 1 ½ Tage, die uns später bei den Inselerkundungen fehlten. Dafür bekamen wir ein nagelneues Großsegel. Mehrere anstrengende Tage brauchte es, um aus dem Einflussbereich der Kanaren wegzukommen. Und dann waren wir allein. In den kommenden dreieinhalb Wochen sahen wir nur drei andere Schiffe. Für mich war die Weite des Ozeans ein überwältigendes Gefühl. Stundenlang schaute ich einfach nur aufs Meer. Ganz besonders waren die sternenklaren Nächte. Kein Kunstlicht im Umkreis von tausenden Kilometers. Noch nie sah ich so deutlich die Milchstraße. Aber auch im Mondlicht herrschte eine traumhafte Atmosphäre. Ich hatte regelmäßig die Schicht ab 5.00 Uhr morgens übernommen, als noch alles still an Bord war. Wunderbar, auf dem offenen Atlantik die erste Morgendämmerung und später den Sonnenaufgang zu erleben.

Es gab nicht viel zu tun außer anfangs einige Reparaturen an den Motoren. Mein Co-Skipper war dabei eine große Hilfe. Ein paar Mal am Tag etwas an den Segeln herumzupfen, und sonst hatte der Autopilot gesteuert. Nach einer Woche in Richtung der Kapverden erreichten wir tropische Breiten und brauchten seitdem keinen Pullover mehr. Der Spitzname Barfuß-Route machte seinen Name alle Ehre. Da das bisschen Wind immer von hinten kam, hob er sich mit dem Fahrtwind fast auf und wir haben jeden Tag in der Sonne nur so gebraten. Oft wehte scheinbar kaum ein Lüftchen. Dafür konnten wir täglich Badestopps machen: Es war ein großartiges Gefühl, in dem tiefblauen Wasser zu schwimmen mit 5000 Meter Wasser unter dem Hintern! Da ging einen manchmal die Fantasie durch, was da alles so von unten hoch kommen könnte. Am schönsten waren die Schulen von Delfinen, die ans an manchen Tagen lange Zeit begleiteten und Spaß daran hatten, möglich dicht vor dem Bug vorweg zu schwimmen, so dass wir fast die Rückenflossen berühren konnten. Einmal sahen wir auch drei Wale. Fast ständig flogen vor uns Schwärme von Fliegenden Fischen vorbei. Einige landeten sogar auf dem Deck!

Die Tage vergingen erstaunlich schnell. Sie wurden im wesentlichen von den Mahlzeiten bestimmt und dem täglichen Yoga / Body Workout zum Sonnenuntergang. Was mich wirklich stresste war der ständige Zeitdruck, weil wir einfach nicht vernünftig vorankamen. Anders als bei den Weltumseglern, die monatelang Zeit hatten, wollten wir in 3-4 Wochen die erste Karibikinsel erreichen. Ein Teil der Crew musste den Flieger zum Rückflug erreichen, sechs andere Mitsegler warteten ungeduldig, dass wir endlich ankommen würden. Es war sehr frustrierend, dass wir fast die Hälfte der Zeit einen Motor zu Unterstätzung mitlaufen lassen mussten, um statt 2 Knoten wenigsten einen Durchschnitt von 4 Knoten zu schaffen. Nur so konnten wir das Minimum von 100 Seemeilen am Tag zu schaffen. Eigentlich war ein Schnitt von mindestens 130 Seemeilen geplant, den wir aber nur zweimal erreichten. Wir konnten bei weitem nicht mit voller Motorleistung fahren, sonst wären nach vier Tagen der Tank und die zehn Reservekanister leer gewesen! Wie sehr hatten wir uns einen kleinen Sturm gewünscht. Per Satellitentelefon bekam ich von einem Freund zu Hause täglich Wettermeldungen, die immer nur sehr schwachen Wind voraussagten. Nun ja, letztendlich immer noch besser als ein drohender Orkan! Ich zweifelte schon stark, ob ich bei der Routenplanung einen fundamentalen Fehler gemacht habe. Später erfuhr ich von anderen Atlantik-Skippern, dass es allen genauso erging. Der November 2017 war einfach ein außergewöhnlich windschwacher Monat.

Nach drei Wochen Herumdümpeln setzte endlich der lang ersehnte Passat ein, der uns wenigstens vier Tage lang ordentlich Richtung Karibik blies. So hatten wir uns eigentlich die ganze Passage vorgestellt. Auf den letzten Hundert Seemeilen dann wieder Flaute und wir brummten mit den letzten Tropfen Diesel zur Karibikinsel St. Martin. Nachts sahen wir die ersten Lichter und es kam eine freudige und zugleich wehmütige Stimmung auf. Wir haben es geschafft! 2960 Seemeilen in 26 Tagen.

Aber damit war auch die enge Gemeinschaft vorüber. Noch im Dunkeln ankerten wir erstmal am Strand Anse Marcel. St. Martin ist übrigens der westlichste Punkt der EU mit europäischen Mobil-Netz! Alle stürzten sich auf die Handys und surften und telefonierten was das Zeug hielt. Als der Morgen anbrach, bot sich ein Bild des Grauens: Die Insel war mit am schlimmsten von den letzten Hurricans getroffen worden. Wir sahen zwar zuvor die Bilder im Fernsehen, aber direkt vor Ort zu sein, ist noch mal was anderes! Wir konnten nur mit Mühe in den Hafen einfahren, überall lagen versunkene Schiffe herum, darunter auch der Katamaran, den ich noch vor zwei Jahren selber gesegelt bin! Die Tankstelle war verlassen, so fuhren wir weiter südlich zu einem anderen Hafen, wo wir tanken und in einem Supermarkt einkaufen konnten.

Ohne Pause segelten wir sogleich weiter nach Puerto Rico, wo wir mit zwei Tagen Verspätung ankamen. Den Besuch der angrenzenden spanischen Jungferninseln mussten wir leider aus Zeitgründen streichen. Aber wir waren froh, heile und gesund über den Teich gesegelt zu sein!

  

   

   

 

Nun begann der zweite Teil der Reise entlang der Küsten der Großen Antillen: Puerto Rico - Dominikanische Republik - Haiti - Jamaika - Kuba. Dies hat allen sehr gut gefallen. Anstrengend waren nur die vielen Zollkontrollen mit stundenlangen Einklarierungsprozeduren und mehreren Schiffsdurchsuchungen. Einmal kamen sogar Uniformierte mit Maschinengewehr aufs Schiff. Da wurde uns schon ziemlich mulmig. Bis auf Puerto Rico waren sie aber alle freundlich und neugierig. In diese Gebiete kommt nur selten ein Segelschiff vorbei, und dann auch noch mit einer deutschen Crew. Wir ankerten vor vielen schönen Stränden, manchmal auch bei einem einfachen Dorf, wo wir sogleich dem lokalen Commandante einen Besuch abstatten mussten. Aufregend war die Fahrt in einen Urwaldfluß an der Südküste der DomRep, wo wir viele Kilometer mit dem Katamaran hineinfahren konnten. Der anschließende Übernachtungsstop in Boca Chica, einem Touristenort, war dagegen ein regelrechten Kulturschock: Die ganze Nacht lang dröhnte laute Musik. Bei der Weiterfahrt an der Südküste von Haiti wollten wir nicht an Land gehen. Wir hatten zu große Angst vor Überfällen und schauten uns die weissen Klippen lieber aus der Ferne an. Nur der vorgelagerten Ile á Vache statteten wir einen kurzen Besuch ab. In der Bucht, wo auch einst der berühmte Pirat Henry Morgen lagerte, liessen wir kurz den Anker fallen. Leider wurden wir sehr aufdringlich von zahlreichen schwimmenden Händlern umlagert, so dass wir schnell das Weite suchten und am selben Tag noch Richtung Jamaika aufbrachen. Da gab es auch endlich prima Segelwind, so dass wir gerade noch rechtzeitig  am Freitag im Hafen San Antonio (Errol Flynn Marina) ankamen, bevor die Zöllner ins Wochenende gingen. So konnten wir noch abends einklarieren und uns legal ins jamaikanische Nachtleben stürzen. Am nächsten Tag segelten wir weiter zum Golden Eye Resort, wo einst Ian Flemming die meisten seiner James Bond Romane schrieb. Das Grillbuffet war grandios und seine 70 $ wert. Wir waren immerhin in einem Luxusresort, wo die billigste Übernachtung über 1000 $ kostet! Weiter ging es in die berühmte Montego Bay. Leider bekamen wir keinen Platz mehr am Steg und fuhren auf die andere Seite in eine geschützte Mangroven Bucht. Dort musste die Crew in Ausgehkleidung zur Uferstraße rudern. (Der Außenbordmotor war schon lange defekt) Der Stadtbummel war etwas chaotisch und endete nach etwas Live Musik in einem Pizza Hut. Dafür konnten wir noch am nächsten Morgen beim Ausklarieren den berühmten Montego Bay Yachtclub und das Hardrock Cafe besuchen.

Die anschließende Überfahrt von Jamaika nach Kuba war dann die anstrengendste Etappe des gesamten Törns: Bei Starkwind schlugen oft Wellen übers ganze Schiff. Nichts blieb trocken, da auch einige Fenster nicht mehr ganz dicht waren. Am Morgen ging der Wind zurück und wir kamen nach dem Trubel von Jamaika wieder in die völlige Einsamkeit: Das vor der Südküste Kubas gelegene Robinson-Archipel „Garten der Königinnen“. Hundert unbewohnte Mangroveninseln, keine Zöllner oder Küstenwache. Die Strände waren leider voller Mücken und Sandfliegen, so dass wir die Strandgänge auf Jogging und Baden beschränkten. Übertroffen wurde das nur noch von einer Einfahrt in eine Mangroven-Lagune. Der Sonnenuntergang bei Windstille war grandios, aber wir wurden völlig zerstochen. Es folgten einige sehr gute Schnorchelstops, wo wir auch Haie und Barrakudas sahen. Am Freitag den 22. Dezember erreichten wir pünktlich den Endhafen in Cienfuegos. 8000 km Fahrt liegen nun hinter uns! Glücklich und erschöpft gaben wir das Schiff in gutem Zustand wieder ab. Für die Weihnachts-Feiertage gönnten wir uns noch vier Tage in einem all-inclusive Strandhotel in der Nähe von Trinidad (Unesco Weltkultur-Erbe) Die abendliche Ausgänge waren eine echte Belohnung! Von allen Ecken tönte Live Musik vom Feinsten. Dies war der krönende Abschluss von acht aufregenden Wochen.

 

 

 

hier sind die kompletten Tracks für Google Earth:      >>Atlantik-Route      >>Karibik-Route

 

über unser Abenteuer wurde auch in den Zeitungen berichtet:  >>vor dem Törn      >>nach dem Törn

- demnächst will ich auch einen Youtube Kanal erstellen mit vielen tollen Videos!  Aber das braucht noch vieeeeel Zeit!

 

 

   

   

 

 

gerne gebe für andere Skipper Informationen: 0172-2812328

 

Natur-Segelgemeinschaft  | info (at) Natur-Segelgemeinschaft.de